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Die Prozessoptimierung lebt

In meinem letzten Blog-Beitrag bin ich darauf eingegangen, wie wichtig eine differenzierte bzw. differenzierende Betrachtungsweise ist. Statt pauschaler, subjektiver Wahrheiten, die nur selten der objektiven Wirklichkeit entsprechen. An dem Punkt muss ich noch einmal ansetzen, seit mir ein Unternehmensberater vergangene Woche zuraunte: „Die Prozessoptimierung ist tot – das Agile ist die Zukunft.“

Hintergrund dieser eben sehr pauschalen Aussage war seine Betrachtung, was sich seit Beginn des ersten Lockdowns vor über 15 Monaten in Deutschland entwickelt hat. Plötzlich sind Online-Meetings Standard, die Vernetzung selbstverständlich, Homeoffice wurde sogar zur Pflicht, lange Sitzungen (im wahrsten Wortsinn: sitzen) wurden durch kurze, streng getaktete Meetings ersetzt. Vieles lief im Anfang noch nicht einwandfrei, vor allem dort, wo die richtige Technik und insbesondere eine schnelle Anbindung fehlten. Anderes ging plötzlich viel schneller und unkomplizierter. Pragmatisch mit der Hand am Arm. Warum da noch Prozessoptimierung? Es schien so, als gebe es keinen Bedarf mehr dafür.

Ziele erreichen durch besser Arbeitsabläufe

Doch das Gegenteil ist der Fall: gerade jetzt ist es wichtig, dass die unternehmerischen Prozesse in Entwicklung und Beratung auf den Prüfstand gestellt und optimiert werden. Denn ideale Prozessabläufe – intern und extern – helfen uns, unsere Ziele zu erreichen.

Als Berater vor allem für Ingenieur-technische Leistungen und Unternehmensführung erhalten wir im Moment sogar mehr Anfragen nach Support insbesondere bei Entwicklungs- und Produktionsprozessen. Durch die zunehmende Isolierung der vergangenen Monate – Stichwort Homeoffice und dezentrales Arbeiten – ist der Aufwand, zum Ziel zu kommen, vielfach größer geworden. Denn aktuell müssen wir nicht nur die Abläufe in (!) den Unternehmen erfassen, analysieren und bewerten, sondern auch die Schnittstellen zu den beteiligten Mitarbeitern und angeschlossenen Partnern und Lieferanten. Immer auch mit dem Wissen im Hinterkopf, dass es nicht nur um Steigerung von Effizienz und Effektivität geht, sondern auch um Einhalten der relevanten Vorschriften zu Datenschutz, Arbeitsschutz, Datensicherheit, CE-Konformität und vielem mehr.

Mehr Spielraum für analog, digital und Hybrid

Auch deshalb wird der Bedarf an Prozessoptimierung in den kommenden Monaten weiter wachsen, davon bin ich überzeugt. Die Anpassung bisheriger Prozesse und Methoden vom Analogen ins Digitale – bislang in vielen Fällen nur spontan und unter dem Druck des ersten Lockdowns 2020 umgesetzt – muss langfristig gesichert und geschult werden. Sie muss zudem einen Spielraum geben für Hybrid-Lösungen. Diese gewinnen insbesondere in der Wissensvermittlung (Schulen, Hochschulen) gerade in diesem zweiten Corona-Jahr enorm an Bedeutung. Das wird auch vielen Unternehmen (Forschung, Entwicklung, Produktion, Dienstleistung) gravierende Vorteile bringen.

Vor kurzem wurde in einem Forum die Frage gestellt, ob der „erzwungene Aktionismus in Prozessoptimierung und Digitalisierung“ wirklich wertvolle Lösungen für die Zukunft bringe. – Ich finde, die Frage ist falsch gestellt. Die wegen der Corona-Pandemie und der daraufhin getroffenen Maßnahmen nötigen Schritte werden uns in der Zukunft begleiten. Und es geht darum, nicht Aktionismus walten zu lassen, sondern das, was kurzfristig eingerichtet und ermöglicht wurde, zu optimieren, zu etablieren und als dauerhafte Arbeits- und Geschäftsprozesse zu nutzen. Und dafür braucht es die Erfahrung der Unternehmer und ihrer Mitarbeiter (ganz wichtig: die Beschäftigten und deren Vorschläge einbinden!) sowie den Blick von außen.

Wie ich schon in meinem letzten Blog-Beitrag geschrieben habe: Gerade wegen der Veränderungen durch die Pandemie und der ungeheuren Herausforderungen haben viele überhaupt erst realisiert, wo ihre Baustellen sind. Sie haben Lücken erkannt, die nicht nur in der Infrastruktur liegen, sondern auch in der digitalen Bildung. Diese Lücken zu schließen und gleichzeitig neue analoge, virtuelle und hybride Methoden für optimierte Bildungs- und Arbeitsprozesse zu nutzen, ist die Chance und Aufgabe aller Unternehmen und Institutionen. Sie dabei zu begleiten ist die Aufgabe von uns Beratern. Darum glaube ich, dass Prozessoptimierung durch Corona ganz neu an Bedeutung gewonnen hat. Sie muss jetzt noch konsequent eingesetzt und umgesetzt werden.

Differenzieren tut Not

Seit vier Wochen gilt in der Corona-Bekämpfung die so genannte bundesweite Notbremse. Natürlich hat sie nicht nur Fürsprecher. Ich selbst gebe zu, dass sich mir nicht alle darin vorgegebenen Maßnahmen und vor allem die neu definierten Inzidenzen und Grenzwerte erschließen. Bei den vielen Verordnungen und Gesetzesänderungen der vergangenen Monate in Bund und Ländern habe ich längst den Überblick verloren. Ich sehe und respektiere aber die Versuche, der Pandemie auf politischem Wege irgendwie Herr zu werden.

Wenig hilfreich finde ich dann Reaktionen, die von „Chaos“, „noch mehr Chaos“ oder „schlicht falsch“ reden. Denn so „schlicht“ sind die meisten Dinge ja bekanntlich nicht. Ich wünschte mir, in der Diskussion, in den Talkrunden im Fernsehen, auch in den Zeitungen und erst recht in den Sozialen Medien würde man sich solche Pauschalen sparen und zu einer differenzierten Bewertungs- und Denkweise kommen. Das gilt für alle Beteiligten. 

Trotz Corona: Es ist nicht alles schlecht

Differenzierung tut not. Auch wenn es manchmal schwer fällt. Auch als Unternehmer muss ich differenzieren. Ich sehe, welche Schwierigkeiten uns die Corona-Pandemie gerade in den Ingenieur-technischen Branchen wie im Maschinenbau, im Fahrzeugbau oder im Flugzeugbau bringt. Denn wir und unsere Kunden arbeiten jeden Tag mit zahlreichen Partnern über Fachbereiche und Ländergrenzen hinweg. Da können einem ein Lockdown auf der anderen Seite der Weltkugel und komplizierte Reisebeschränkungen schon Probleme bereiten, auch wenn manches weit weg ist. 

Ich sehe auch die Herausforderungen für meine Mitarbeiter, die sich zwischen Homeoffice, Homeschooling, Impfangebot und Testpflicht jeden Tag neu organisieren müssen. Sie bei Laune und motiviert zu halten, sie zu fördern und Ihnen zukunftsweisende Weiterbildungsangebote zu machen, ist im Moment eine der wichtigen Aufgaben für Arbeitgeber. Denn irgendwann geht es wieder aufwärts und spätestens dann brauchen wir in den Unternehmen richtig gute und aktive Leute.

Doch trotz all dieser und vieler weiterer Probleme und Herausforderungen bringt es ja nichts, wenn ich sage: „Alles ist schlecht“ oder „Die unfähigen Politiker“. Weil das auch nicht stimmt. Die Pandemie hat uns bis jetzt viele Nerven und richtig viel Geld gekostet. Sie hat uns gezeigt, dass Deutschland zum Beispiel bei der Digitalisierung der Schulen und beim Ausbau der Netz-Infrastruktur in vielen Regionen schlecht aufgestellt ist. 

Auf der anderen Seite ist aber auch gerade wegen der Pandemie und der Gegenmaßnahmen einiges überhaupt erst deutlich geworden. Wir kennen jetzt den Bedarf gerade bei der Digitalisierung. Wir haben Lücken erkannt, die nicht nur in der technischen Infrastruktur liegen, sondern in der Bildung allgemein, auch in der Ausbildung oder zum Beispiel beim Umgang mit den neuen (auch virtuellen) Methoden und Werkzeugen.

Steht die Maßnahme im Verhältnis zum Nutzen?

Differenzieren heißt wortwörtlich „fein unterscheiden“, Unterschiede herauszufiltern und zu beachten. Beim Datenschutz zum Beispiel. Auf meinen letzten Blog-Beitrag schrieb ein User bei LinkedIn, der Datenschutz sei „verantwortlich dafür, dass Deutschland bei vielen Themen nur noch Mittelmaß ist“. Vielleicht wird beim Thema Datenschutz auch zu wenig differenziert, zu wenig unterschieden. 

In Baden-Württemberg zum Beispiel erwägt die Landesregierung, dass Schulen nach den Sommerferien nicht mehr mit Microsoft und dem bewährten und von vielen genutzten Tool „Teams“ arbeiten sollen. Ich kann die vorgebrachten datenschutzrechtlichen Bedenken nachvollziehen. Ich weiß aber auch, dass „Teams“ zum Standard der Industrie geworden ist. Daher muss ich unterscheiden (!) zwischen den Fragen des Datenschutzes und der Praktikabilität für einen erfolgreichen digitalen Unterricht. Ich empfehle außerdem, Schülern den Umgang mit neuen, gängigen Werkzeugen und damit das Rüstzeug für ihre persönliche und berufliche Zukunft mitzugeben. 

Wir sollten also immer die Frage stellen: Steht die Maßnahme in einem gesunden Verhältnis zur Wirkung? Wenn Zehntausende Schülerinnen und Schüler nicht mehr auf einem etablierten System arbeiten können? Solange die Landesregierung eine alternative Plattform bietet, die ihren Datenschutz-Vorstellungen entspricht und (!) gleichzeitig den Schülerinnen und Schülern ähnlich gute und bewährte Möglichkeiten bietet, soll mir das recht sein. Aber bitte erst die neue Plattform liefern, dann die alte canceln.

Differenzieren macht den Erfolg aus

Differenzieren ist keine Frage von Höflichkeit, sondern ein Weg, um in einer Gruppe oder Gesellschaft zu einem guten Ergebnis zu kommen. Pauschalieren macht alternative Möglichkeiten zunichte und kanzelt ganze Gruppen von Menschen ab. Differenzieren hilft zu erkennen, wo konkret die Probleme und Risiken liegen und wo die Chancen. 

In unserer Arbeit als Ingenieure und Berater in Industrie-Unternehmen ist dieses Differenzieren professioneller Alltag. Wir müssen sehr genau hinsehen, welche Maschine, welche Anlage unter welchen Rahmen- und Umweltbedingungen wo und wie funktionieren und von wem sie bedient werden soll. All das sind strategische und technische Fragen, die wir genau beantworten müssen, um Erfolge zu produzieren. Rechtliche Rahmenbedingungen wie CE-Konformität, REACH, Recycling und Nachhaltigkeitskonzepte bzw. Nachhaltigkeits-Vorgaben kommen noch dazu. Alles ist zu berücksichtigen, bevor wir bei unserem Rat an den Kunden zu einem Ergebnis kommen.

Pauschalieren birgt technische und gesellschaftliche Risiken

Wenn wir – egal ob unsere Mitarbeiter, unsere Kunden oder unsere Kompetenz-Partner – ungenau arbeiten und technische Details pauschalieren, dann stimmt das Ergebnis nicht mehr. Im Extremfall setzen wir damit Menschen Risiken aus, das dürfen wir nicht verantworten.

Wenn pauschal geurteilt oder zu schnell oder zu wenig weitsichtig und nachhaltig agiert wird oder wenn in der öffentlichen Diskussion Plattitüden gepostet werden, dann gibt es ebenfalls Risiken. Und die daraus entstehenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Risiken sind noch viel größer, als die technischen in unserem Metier.

Darum ist Differenzieren so wichtig.

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Übertriebener Datenschutz schadet der Gesellschaft

Vor knapp drei Jahren ist die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verbindlich in Kraft getreten. Seitdem hat der Datenschutz seltsame Blüten hervorgebracht, von denen wir heute wissen, dass sie manchmal wenig bringen, aber die Wirtschaft und uns alle unnötig belasten.

So stehen auf der einen Seite Menschen, die in öffentlichen Chats, Tweets und Kommentaren ihr privates Leben vor uns ausbreiten. Sie geben in Bildern und Texten so viel über sich preis, dass sie offenbar kein Bedürfnis nach Privatsphäre oder Anonymität haben. Da werden Fotos der Kinder ins Netz gestellt, Screenshots von Videokonferenzen, Adressen, Telefon-Nummern und vieles mehr.

Auf der anderen Seite gibt es Unternehmen, die persönliche Daten brauchen, um ihre Produkte und Leistungen auf den Markt zu bringen oder zum Beispiel Mitarbeiter zu finden. Gerade in der aktuellen Corona-Pandemie, in der die bisherigen Vertriebswege unterbrochen und Läden geschlossen werden, sind andere Kontaktmöglichkeiten zu Kunden enorm wichtig. Doch hier wurde mit der DSGVO den Überlebensversuchen der Betriebe ein Stoppschild in den Weg gestellt: Wer Daten von (potenziellen) Kunden oder Geschäftspartnern erfassen und nutzen möchte, muss sich dafür immer (!) und vorab (!!) und schriftlich (!!!) das Einverständnis einholen und auf die Möglichkeit eines Widerrufs dieses Einverständnisses hinweisen. Was für ein Akt!

Natürlich ist es wichtig, dass Unternehmen Grenzen gesetzt werden, wie weit Sie über meine persönlichen Daten verfügen und diese nutzen dürfen. Aber die Regeln der DSGVO – das wissen wir nach nunmehr drei Jahren – verbauen viele Möglichkeiten für eine erfolgreiches Geschäft und eine stabile Gesellschaft.

Ich will nicht wider den Datenschutz reden, der hat seine Berechtigung. Immer wieder treiben Menschen und unseriöse Firmen Schindluder mit den Daten. Zudem sind manche Mitglieder unserer Gesellschaft gar nicht in der Lage, ihre Daten wissentlich und willentlich selbst zu schützen. Aber Datenschutz ist ein zweischneidiges Schwert: In seiner derzeitigen Ausführung hindert er auch die, die froh wären, wenn Ihnen passende Offerten gemacht würden und so von den Angeboten Dritter (Produkte, Leistungen, Support, Aufträge etc.) profitieren.

Corona: Nachverfolgung vs. Datenschutz

In der aktuellen Pandemie zum Beispiel wäre die Nachverfolgbarkeit der Ansteckungswege ganz wesentlich. Seit Monaten weisen Fachleute darauf hin, dass die Nachverfolgung nicht funktioniert – andere Länder zeigen aber: wenn wir die Nutzung persönlicher Daten in stärkerem Maße erlauben – am besten direkt und digital – wären die Chancen für die Nachverfolgung deutlich höher. Bei uns ist das ein riesiges Problem! Unter anderem deshalb stecken wir auch nach Monaten in hohen Fallzahlen fest, die wiederum zu einem gefühlten Endlos-Lockdown führen. 

Im vergangenen Sommer hatte die Nachverfolgung besser funktioniert. Dafür wurde der Datenschutz erheblich gelockert. In Gaststätten und Cafés, im Kino – überall wurden Besucher-Daten gesammelt. Und das, ohne dass Schlimmes passiert wäre. Ganz im Gegenteil, das Vorgehen war von einem breiten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen, und ich habe danach nicht mehr Spam und Werbesendungen erhalten als vorher. By the way: Wenn die Nachverfolgung auch 2021 funktionieren würde, könnten Restaurants, Kinos und Fitnessstudios wieder öffnen. Das wäre ohne Zweifel von großem gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Nutzen!

Fachkräftemangel könnte besser gelöst werden

Ein Vertriebsmitarbeiter drückte mir zu Beginn der DGSVO-Zeit seine Visitenkarte in die Hand und sagte: „Ich weiß gar nicht, ob ich die Ihnen geben darf oder ob ich erst Ihre schriftliche Erlaubnis haben muss“. Diese Hysterie hat sich mittlerweile gelegt. Wer im Vertrieb arbeitet, muss Kontakte aufbauen und halten. Natürlich will er meine Kontaktdaten speichern und natürlich will er auch, dass ich seine Kontaktdaten speichere. Das ist für beide Seiten von Vorteil. Der potenzielle Lieferant kann in einem seriösen geschäftlichen Miteinander eventuell meine kommenden Probleme lösen. Das sind doch Selbstverständlichkeiten, denen die Angst vor Datenspeicherung, der Umfang der Datenschutz-Vorschriften und die Höhe der immer wieder angedrohten Strafen bei möglicher Missachtung entgegenstehen.

Dabei macht das in diesem Umfang keinen rechten Sinn. Fast jeder von uns ist mit Adresse und Nummer im Telefonbuch zu finden. Fast jeder hat schon einmal online bestellt und dafür zahlreiche persönliche Daten freigegeben. Fast jeder ist in Vereinen oder Verbänden organisiert, hat eine eigene Website oder ein Profil bei Facebook, Xing oder LinkedIn – häufig mit Fotos, Kontaktdaten und privaten Beiträgen. Schadet uns das?

Noch komplizierter erscheint mir die Zustimmung zur Verwendung von Cookies auf Websites, die ich immer wieder neu bestätigen muss, was ich als extrem hinderlich empfinde. Viel einfacher ist es doch, sie zuzulassen und bei Bedarf später alle wieder zu löschen. Das ist im Browser meist mit einem Mausklick erledigt. Die Cookies selber sind nur ein Teil des Problems. Viel wichtiger erscheint mir die neue Form medialer Erziehung und Bildung. Die User müssen verstehen, was sie eigentlich von sich preisgeben – ob wichtig oder unwichtig, soll jeder für sich entscheiden.

Wer dann weiterhin sein Persönlichstes öffentlich machen will, soll das tun. Der Datenschutz verhindert das nicht. Er behindert aber alle, die bereitwillig und seriös und vor allem unkompliziert miteinander Kontakt aufnehmen wollen. Unternehmen zum Beispiel, die dringend qualifizierte Arbeitnehmer suchen (das ist in fast allen Brachen der Fall), oder Beschäftigte, die den Arbeitgeber wechseln und sich weiterentwickeln wollen. Die Angst vor Datenmissbrauch verhindert die eigene Weiterentwicklung und gute Lösungen gegen den Fachkräftemangel. Und das ist dann ein viel größeres Problem!

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Erfolgreich durch die Krise – Teil 2

Warum kommen einige Firmen gut durch Krisen wie die Corona-Pandemie und andere nicht? Einige Erfolgsrezepte und deren Zutaten habe ich in meinem letzten Blog-Artikel bereits genannt: neue Ideen entwickeln oder bestehende anpassen, investieren, kommunizieren, Mitarbeiter führen – das waren nur einige.

Es gibt noch einen anderen Punkt, der wichtig ist, um eine wirtschaftliche Krise unternehmerisch bestehen zu können, eigentlich sogar, um überhaupt als Unternehmen langfristig Erfolg zu haben: Das ist der Service-Gedanke. 

Ich wurde in den vergangenen Wochen immer wieder gefragt, warum unser Unternehmen so gut dasteht in der Krise, wo doch um uns herum manche Betriebe aus Technologie und Industrie in Schieflage geraten. Eine Lösung lautet: Weil wir uns an unseren Kunden orientieren. Weil wir für unsere Kunden möglich machen, was irgendwie geht. Weil wir Support und Leistung bieten. Weil wir Aufträge übernehmen und zu Ende führen, an denen andere im Moment scheitern – weil ihnen die richtigen Mitarbeiter, das Know-how oder die passenden Ideen fehlen.

Wie werde ich erfolgreich?
Durch Kundenorientierung.

Diese Orientierung am Kunden sollte eigentlich für alle Unternehmen selbstverständlich sein – ist sie aber leider nicht. Das fängt an in der Autowerkstatt, zieht sich über IT-Beratung und Outsourcing und hört auch in Gastronomie und Einzelhandel nicht auf. Manche Unternehmer klagen und jammern, wenn es ihnen schlecht geht. Aber wenn ich genauer hinschaue, stelle ich fest: Viele bieten einen schlechten oder gar keinen Service oder sind unfreundlich. Da wird auf Rückfragen oder Reklamationen nicht eingegangen oder der Mitarbeiter weiß weniger von den Produkten, als der Kunde selbst. Da gibt es kein Entgegenkommen, die Leistung ist schlecht, die Rechnung dagegen hoch, die Lieferung kommt verspätet oder gar nicht. 

Kunden, die so behandelt werden, wechseln. Sie verlassen den Dienstleister und suchen sich einen neuen. Und das will was heißen, denn so schnell wechselt man in der Regel nicht den Lieferanten. Der Aufwand, einen neuen Anbieter zu finden und eine stabile Zusammenarbeit zu entwickeln, ist hoch.

Beispiele für Erfolg durch Service

Auf der anderen Seite gibt aber auch sehr viele Firmen, die einen tollen Service bieten, die sich auch in den fortdauernden Einschränkungen wegen Corona immer wieder neu für ihre Kunden aufstellen. Und obwohl die politischen Maßnahmen sie im Moment stark behindern, kommen sie irgendwie gut durch diese Pandemie. Weil sie den Service-Gedanken verinnerlicht haben. Dazu zählen Kundenorientierung und Kommunikation, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit bei Ausführung und Lieferung und natürlich die passende Qualität der Leistung. 

Ich sehe das zum Beispiel bei den Paketdiensten: bei einigen von ihnen können wir in Echtzeit verfolgen, wo der Wagen des Paketboten gerade ist und um welche Uhrzeit er bei mir liefert. Bei anderen fürchte ich immer beschädigte Pakete oder wundere mich, dass die Lieferung zurückgesendet wird, weil ich angeblich nicht da sei, obwohl ich wachsam auf das Klingeln warte. Ich kann sehen, wer seinen Job gut macht, die Digitalisierung macht es möglich. Das funktioniert aber nur, wenn die Mitarbeiter diese Kundenorientierung „eingeimpft“ bekommen (und diese Impfung wirkt).

Der Dienstleistungs-Gedanke muss an Bedeutung gewinnen

Dass dennoch manches Unternehmen bei Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit aktuell in Bedrängnis gerät, ist auch klar. Vielen von ihnen hat die Politik mit dem schon Wochen währenden Lockdown schlicht die Nachschubwege abgeschnitten oder die Existenzgrundlage entzogen. Aber davon abgesehen ist es immer auch eine Frage der Einstellung, die wir zu unseren Kunden und Aufträgen haben. Wir wollen ja etwas für unsere Kunden erreichen, wir wollen Werte schaffen und wollen, dass sie zufrieden sind, dass wir das Richtige tun und es möglichst rasch tun.

Und so entscheiden Möbelhäuser, dass sie eine persönliche Einrichtungsberatung in der Wohnung der Kunden anbieten (1 Person besucht den Haushalt, ist also zulässig); Baumärkte, bei denen man sich telefonisch beraten lassen und dann die Produkte bestellen und abholen kann. Restaurants, die eigene Corona-Karten aufgelegt haben und einen Lieferservice bieten. 

Es gibt viele Beispiele, wie Unternehmen sich transformieren und erfolgreich durch die Krise kommen. Und wie schon letztes Mal geschrieben: Natürlich passen nicht alle Ideen auf alle Unternehmen – hier ist Kreativität gefordert. Vieles lässt sich aber anwenden oder für die jeweilige Branche als eigenes Rezept adaptieren. Vor allem würde ich mir wünschen, dass der Dienstleistungs-Gedanke stärker gelebt wird und als ein Gewinner aus der Krise hervorgeht. Das kommt dann allen zugute, Unternehmen und Kunden.

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Erfolgreich durch den Corona Lockdown – Rezepte und Zutaten

Das neue Jahr beginnt, wie das alte aufgehört hat: mit einem Stillstand in weiten Teilen der Wirtschaft sowie Kontakt- und Reisebeschränkungen. Und immer mehr Branchen und Unternehmen fragen sich, wie sie jemals aus dem Corona-Dilemma herauskommen. Die Lage ist wirklich schwierig. Doch Not macht erfinderisch und immer mehr Betriebe entwickeln Ideen fürs Überleben. Wie wir selbst bislang erfolgreich durch die Pandemie gekommen sind, habe ich an dieser Stelle schon geschrieben. Die wichtigsten Zutaten in unserem Erfolgsrezept waren Aktivität, Kreativität und Veränderungs-Bereitschaft.

Zunächst einmal haben wir im ersten Lockdown vor nunmehr zehn Monaten unsere Mitarbeiter nicht einfach nur in Homeoffice oder Kurzarbeit geschickt, sondern im gleichen Schritt die interne Kommunikation untereinander strukturiert und intensiviert. Unsere wöchentlichen Meetings und Kundengespräche haben wir durch regelmäßige Video-Calls und Telefonate ersetzt. Das Wichtigste war, dass es in ihnen nicht nur um fachliche Themen und die Aufträge ging, sondern ganz oft auch um die Arbeit im Homeoffice, um neu zu schaffende Tagesstrukturen, um ein Coaching, das vielen Beschäftigten in dieser Zeit der persönlichen Belastung wesentlich weitergeholfen hat. Das hat uns als Unternehmen viel Zeit und auch Geld gekostet, aber diese Betreuung von Mitarbeitern und Kunden war es allemal wert.

Gleiches gilt für die externe Kommunikation. Seitdem Corona unser Leben bestimmt, haben wir als Unternehmen unsere Kommunikation nach außen intensiviert: Durch diesen Blog, den wir beflügelt durch Corona eigens eingerichtet haben, durch klassische Pressearbeit, durch die (natürlich Corona-konforme und somit digitale oder telefonische) Kontaktpflege zu Medien und Multiplikatoren. Dadurch konnten wir unsere Sichtbarkeit auf dem Markt sogar steigern und haben noch in der Krise neue Kunden gewinnen können. 

Die Hände in den Schoß zu legen, ist also in jedem Fall die falsche Strategie in der jetzigen Situation. Nur wer trotz der prekären Lage früh aufsteht, wahrnehmbar kommuniziert und neue Ideen entwickelt, kann erfolgreich durch die Krise kommen. Dazu zählt für mich auch, bereit zu sein zum Investieren. So riskant es klingen mag.

Ein Beispiel: Wir selbst haben während der Krise unsere Geschäftsführung erweitert. Weil ich selbst durch die o.g. Maßnahmen – die Intensivierung der Kommunikation, Begleiten und Coaching meiner Mitarbeiter im Homeoffice – stark ausgelastet war und zudem ein Ausfall von mir das Unternehmen in dieser Situation in unvorhersehbare Schwierigkeiten führen könnte, habe ich einen stellvertretenden Geschäftsführer bestimmt. Er hat mir viele Aufgaben abnehmen können und mich entlastet. Durch seine professionelle Betreuung der externen und internen Projekte haben wir die hohen Ansprüche unserer Kunden in diesen turbulenten Zeiten bedienen und alle Abläufe sicherstellen können. 

Diese Investition wurde von Mitarbeitern und Kunden sehr positiv wahrgenommen und ich habe sie nicht bereut. Zumal fast alle Investitionen – zum Beispiel auch die in ein neues Technisches Büro – Kommunikation und öffentliche Aufmerksamkeit nach sich ziehen können. Und das wiederum sorgt für ein positives Außenbild und eine positive Entwicklung der Auftragslage. 

Viele von Einschränkungen betroffene Unternehmen haben gehandelt. Gastronomie-Betriebe haben Liefer- und Mitnahme-Services aufgebaut, andere haben ihre Website erneuert und profitieren seitdem davon, dass nicht nur Essen und Getränke online bestellt werden können, sondern dass sie von den Suchmaschinen nun auch besser gefunden werden. Viele – wie wir auch – haben die Zwangspause auch für die Digitalisierung genutzt. Für digitale Buchhaltung, Ausbau stabiler Konferenzsysteme und vieles mehr. Hierfür gibt es zudem Fördergelder, was die finanzielle Belastung reduziert.

Natürlich passen die einzelnen Zutaten, Vorschläge und Ideen nicht gleichermaßen auf alle Unternehmen. Aber vieles davon lässt sich anwenden oder für die jeweilige Branche als eigenes Rezept adaptieren. Wichtig ist nur: Kein Stillstand! Wer aufhört zu schwimmen, wird von der Strömung abgetrieben. Bleiben Sie also alle aktiv, um zu überleben und sich weiterzuentwickeln!

Ihr Joachim Lang

Selbständigen und freien Mitarbeitern mehr Raum geben wegen Corona

Die meisten erfolgreichen Selbständigen haben einmal klein angefangen. Meist mit nur einem Kunden. Dann gewann man irgendwann einen zweiten, schließlich noch mehr. Das ist in vielen Branchen so und bei Ingenieuren in unserem Bereich Engineering nicht anders. Ich habe zahlreiche umtriebige Menschen kennengelernt, die als Selbständige heute sehr erfolgreich einzelne Unternehmen unterstützen und beraten – heute oft abwertend als „Solo-Selbständige“ bezeichnet. 

Doch mit nur einem Kunden zu arbeiten, ist rechtlich problematisch und durch die schärfere Auslegung der Vorschriften und Gesetze oft nicht mehr zulässig. Der Gesetzgeber sieht darin den Fall von Scheinselbständigkeit. Mit deren Verbot hat man die Sozialversicherung stärken und die spätere finanzielle Absicherung von Freischaffenden gewährleisten wollen.

Aber wie starte ich als Selbständiger ein Unternehmen, wenn ich zu Beginn nicht einen, sondern gleich zwei Kunden auf einmal gewinnen und vorweisen muss? – Diese Frage ist wieder aktuell, weil vielen Freien die Kunden weggebrochen sind. Zum Ende der Corona-Pandemie und ihrer Einschränkungen werden wieder viele Branchen den Betrieb hochfahren. Dann brauchen wir Flexibilität. Ich spreche mit selbständigen Ingenieuren ebenso wie mit Unternehmern, und für beide Seiten ist die Frage der gesetzeskonformen Beauftragung noch nicht geklärt. 

Für den Unternehmer nicht, der gerne mit dem freien Mitarbeiter auch nach Corona wieder arbeiten möchte, aber die Regressionen der Rentenversicherung und des Zolls scheut. Denn die Zusammenarbeit mit einem „Scheinselbständigen“ zieht Ärger und finanzielle Forderungen nach sich. Unter Umständen steht ganz schnell der Staatsanwalt in der Tür. Und der Selbständige braucht Aufträge, die er wegen genau dieser Befürchtungen nach Corona nicht so einfach bekommt.

Regelungen gegen Scheinselbständigkeit müssen flexibler sein

Wie schon so oft zeigen gerade die Corona-Pandemie und ihre Folgen und Einschränkungen, dass unser Arbeitssystem an vielen Stellen zu unflexibel geworden ist. Da werden Zeitarbeit, Leiharbeit und Werkverträge – ausgehend von den Zuständen in einem Fleischereibetrieb – über einen Kamm geschoren und für alle Branchen verteufelt oder mindestens angezweifelt. Dabei haben Zeitarbeit und Werkverträge im Engineering, in der technischen Beratung wie in vielen anderen Berufsfeldern eine enorme Bedeutung. Sie bieten Firmen und Fachleuten genau die Flexibilität, die sie benötigen und sich wünschen.

Ähnliches sehen wir nun beim Beispiel der so genannten Scheinselbständigkeit. Es mag Unternehmer und Selbständige geben, die die hohen Beiträge für die Sozialversicherung umgehen wollen. Aber die meisten Menschen, die ich als Selbständige kennengelernt habe, wollen frei arbeiten statt in Organisationen eingebunden zu sein. Sie schätzen den kreativen Freiraum und das oft höhere Tempo bei extern vergebenen Projekten. Und sie kennen auch die damit verbundenen Risiken. Um schnell aus der Krise heraus zu kommen, müssen wir ihnen den Start erleichtern. Wir brauchen auch hier mehr Flexibilität.

Neue Wege einschlagen nach der Corona-Krise

Wer zum Beispiel über einen bestimmten Zeitraum – ein oder zwei Jahre – für zunächst nur einen Auftraggeber tätig wird, sollte nicht automatisch als scheinselbständig gelten. Nach diesem Zeitraum sollten weitere Auftraggeber her. Bis dahin dürfte es ohnehin im Sinne der Selbständigen sein, zusätzliche Aufträge akquiriert zu haben. Denn nur auf ein Pferd zu setzen, erweist sich regelmäßig als hochriskant. Aber müssen wir diesen mutigen Menschen dann die Entwicklung ihrer Idee verbieten?

Politik und Verwaltung müssen Verordnungen und Vorschriften vereinfachen und der wirtschaftlichen Freiheit wieder mehr Platz geben. Gerade jetzt müssen wir darüber reden, damit es nach Ende der aktuellen Einschränkungen wieder schnell bergauf geht. Dafür muss man auch mal neue Pfade betreten und der Bürokratie Einhalt gebieten.

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Freihandelsabkommen: Das können Staaten und Unternehmen tun

Während wir uns in den westlichen Staaten mit den Einschränkungen und Auswirkungen der Corona-Pandemie beschäftigen, schlossen China und 14 Asien-Pazifik-Staaten das bislang größte Freihandelsabkommen: das RCEP, das ein Drittel des Welthandels umfasst. Das war für manchen eine Überraschung, zumal in den vergangenen Jahren – befeuert durch viele Nationalismus-Tendenzen – eher von Abschottung, als von Zusammenarbeit die Rede war. Und nun: Freihandel. Für mich die einzige richtige und logisch-konsequente Lösung.

Die Corona-Pandemie hat uns zwar gezeigt, dass das globale Miteinander Risiken in sich birgt, wenn ein Virus schnell und ungehindert durch die gesamte Welt reist. Doch viel größer als die Risiken sind die Chancen, die der freie Handel miteinander bietet. Was wir in der Welt von heute und morgen brauchen, ist Zusammenarbeit. In der Wirtschaft ebenso wie in der Wissenschaft. Den grenzübergreifenden Bemühungen um die Produktion eines wirksamen Corona-Impfstoffes geht die ebenso grenzübergreifende wissenschaftliche virologische und mikrobiologische Forschung voraus. Die erfolgreichsten Ansätze, die wir dazu derzeit sehen, entstehen (mehr oder weniger sichtbar) in Kooperationen von Beteiligten aus mehreren Staaten.

Wachstum und Erfolg basieren auf freiem Handel

Ich habe dazu neulich die Schlagzeile gelesen „Freihandel ist mehr als nur ein ökonomischer Vorgang. Freihandel ist ein Menschenrecht“. Ich bin nicht sicher, ob der Begriff Menschenrecht an dieser Stelle passt. Wenn wir die Vorteile zum Beispiel bei der Impfstoff-Entwicklung sehen und die Steigerung des gesellschaftlichen Wohlstands in den letzten Jahrzehnen, müssen wir auch sehen, dass mancherorts Gruppen von Menschen den Anschluss verlieren. 

Tatsache ist aber: die erfolgreiche Entwicklung der heute weltweit wirtschaftlich führenden Staaten (auch Deutschland!) fußt auf der Kooperation und dem freien Handel. Handelskriege und Zölle, wie sie in den vergangenen Jahren zwischen den USA und China oder auch zwischen den USA und der EU diskutiert, angedroht und mitunter eingeführt wurden, sind kontraproduktiv. Sie bringen meist nur einen kurzfristigen Vorteil. Jede Begrenzung des freien Handels führt regelmäßig zu Nachteilen für Konsumenten und zu Einbußen in der Wirtschaft. Davon betroffen ist immer auch der Wohlstand der Gesellschaft, den wir benötigen, um auch Schwachen zu helfen.

Grenzen bringen auch Forschung und Entwicklung ins Stocken

Internationale Geschäfte sind nicht immer per se gut, und man darf durchaus mit kritischem Blick hinsehen, wenn autoritär regierte oder korrupte Staaten beteiligt sind. Grundsätzlich setzt Freihandel auf Kooperation, auf Befriedung statt Krieg, auf Abbau von Grenzen und Zöllen, auf das Ziel gemeinsam zu agieren und Werte zu schaffen. Wer das macht, handelt im eigenen Interesse. Ein „America first“ Gedanke (in welchem Staat auch immer) führt nicht zu mehr wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Sicherheit, sondern reduziert Wachstums-Chancen. 

Das haben die Einschränkungen während der ersten Corona-Welle deutlich gezeigt. Gerade in der technischen und wissenschaftlichen Entwicklung kam der internationale Austausch fast völlig zum Erliegen. Das hat die Ausbreitung des Virus vielleicht gebremst, es hat aber vor allem die Entwicklung in ganzen Branchen wie Optik oder Fahrzeugbau zum Stillstand gebracht. Und wer nicht im internationalen Wettbewerb steht, kommt ins Stocken, weil er sich nicht bemühen muss der Beste zu sein.

Es geht also nicht mehr um die Frage, ob Freihandel richtig und wichtig ist. Das ist er. Es geht um die Frage, welche Chancen sich Länder und Gesellschaften entgehen lassen, wenn sie auf Freihandelsabkommen verzichten. Jedem, der frei mit anderen auch über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten möchten, sollte man dies ermöglichen. Freihandel ist ein Grundrecht aller Handelnden und führt zu mehr Lebensqualität und Wohlstand. Die Asean-Staaten haben uns gezeigt, wie das geht. Sie weisen uns damit einen Weg in die Zukunft.

Rechtsanspruch auf Homeoffice schadet Beschäftigten und Unternehmen

In der zweiten Welle der Corona-Pandemie, die uns derzeit erwischt, zeigt sich einmal mehr: Deutschland steht im Vergleich zu vielen anderen Industrie-Nationen gut da. Wir haben weniger Infektions- und Todesfälle. Und ein zweiter Lockdown, der unserer Wirtschaft branchenübergreifend schaden würde, wurde bisher vermieden. Viele Regeln für das Zusammenleben wurden getroffen, und die meisten Menschen (leider nicht alle) agieren klug und weitsichtig. Unternehmen und Beschäftigte reagieren seit März immer wieder flexibel auf die Entwicklung der Pandemie. Dazu gehört, dass viele Arbeitnehmer soweit nötig und möglich vom Büro ins Homeoffice wechseln.

Aus dieser Not heraus nun aber einen generellen Rechtsanspruch auf pauschal 24 Tage Homeoffice für alle Arbeitnehmer zu basteln, ist grundfalsch. Es ist populistisch und schadet der Wirtschaft ebenso wie den Beschäftigten. Es zeigt auch, dass es einigen Politikern an dem nötigen Einblick in die Wirklichkeit der Betriebsabläufe fehlt.

Grenzen und Unterschiede beim Homeoffice

Denn Homeoffice ist schlicht nicht immer möglich. Sei es aus Gründen der Arbeitsabläufe, wegen der technischen Voraussetzungen wie IT-Anbindung oder fehlender Geräte zu Hause oder wegen der gebotenen Vertraulichkeit. Auch die Frage, wer bei mangelndem Datenschutz bzw. Datensicherheit im heimischen Büro haftet, ist unklar. Welcher Richter will also entscheiden, ob ein Arbeitgeber verpflichtet ist, seinen Beschäftigten Homeoffice zu ermöglichen?

In meinem Unternehmen haben wir mit dem Homeoffice während des Lockdowns sehr gute Erfahrungen gemacht. Es hat uns geholfen, an einigen entscheidenden Stellen für unsere Kunden weiter aktiv zu sein. Aber es hatte auch Grenzen. Viele technische Entwicklungen, die wir betreuen, finden unter enormen Sicherheitsstandards statt. Viele unserer Kunden sind Weltmarktführer auf ihrem Gebiet – zum Beispiel Optik, Mechatronik oder Fahrzeugbau. Deren technologisches Know-how und unseren Anteil daran kommunizieren wir nicht über heimische Netzwerke oder herkömmliche Telefonleitungen.

Datenschutz und Arbeitsschutz im Homeoffice: Wer haftet?

Hinzu kommt: Wer seinen Mitarbeitern Homeoffice ermöglicht, ist für die Ausstattung des Arbeitsplatzes und für den Arbeitsschutz zu Hause mitverantwortlich. Gilt das auch, wenn es einen pauschalen Anspruch auf Heimarbeit gibt? Muss ich als Arbeitgeber dann alle Mitarbeiter regelmäßig besuchen, um die Einhaltung der Vorschriften zu überprüfen?

Stellen Sie sich den Versuchsingenieur, die Testpilotin oder einen Rechtsmediziner vor, die Homeoffice machen. Wie soll das gehen? Der Plan von Arbeitsminister Heil sieht vor, dass der Rechtsanspruch nur „bei Vorliegen dringender betrieblicher Gründe“ abgelehnt werden darf. Wer definiert, welche konkreten Gründe diesem Anspruch genügen und welche nicht?

All das ist noch ungeregelt – und ich fürchte, dass alles bis ins kleinste Detail geregelt werden soll. Hier ist zahlreichen Diskussionen, innerbetrieblichen Unsicherheiten und Rechtsstreitigkeiten Tür und Tor geöffnet. Und dem Missbrauch bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern auch.

Darum schrieb die „WirtschaftsWoche“ schon im Jahr 2018, dass „Homeoffice nicht die ultimative Lösung ist“. Zu viele Details müssen berücksichtigt werden, die von der Branche, vom Unternehmen und von der jeweils individuellen Situation der Beschäftigten abhängen. Ich setze daher auf Freiwilligkeit und Vernunft, statt auf staatliche Vorgaben.

Corona-Krise: Wir brauchen weniger Regulierung und mehr Eigenverantwortung

In der Zeitung „Die Welt“ war vor kurzem zu lesen, Deutschland drohe eine „globale Außenseiterrolle“. Doch die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie treffen nicht nur die Außenwirtschaft des Export-Weltmeisters. Hinzu kommen zahlreiche neue Vorschriften, Gesetze und Regelungen, die uns in der Corona-Krise absichern sollen, dabei aber unser wirtschaftliches Handeln oft einschränken.

Ich schätze das Bemühen der Verantwortlichen, Menschen zum Beispiel durch die aktuell diskutierte Corona-Ampel zu schützen und Unternehmen, die durch die Einschränkungen leiden, finanziell unter die Arme zu greifen. Das geht aber einher mit immer mehr und immer neuen Regelungen und einem insgesamt extrem hohen Verwaltungsaufwand. Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise überwinden zu können, brauchen wir Vereinfachung statt täglich neuer Verkomplizierungen.

Gerade im internationalen Kontext ist es wichtig, dass wir trotz – oder gerade wegen – der Krise zum Beispiel Grenzen durchlässig halten. Ingenieure aus unserem Unternehmen sollten einen Kunden in den USA vor Ort unterstützen. Trotz vieler, sehr aufwändiger und langwieriger formaler Vorbereitungen war es uns nicht möglich in die USA einzureisen. America first… Auf der anderen Seite der Weltkarte, in China, beobachte ich im Moment ähnliche Tendenzen. Auch hier gibt es nach Jahren der Öffnung und des freien Handels aktuell mehr Abschottung. 

Das ist vor dem Hintergrund der Pandemie mit ihren aktuellen Fallzahlen verständlich. Aber wir müssen zusehen, dass wir uns als Staaten nicht einmauern. Denn dann wird auch die Wirtschaft eingesperrt. Ein Unterbrechen des Handels wird langfristig die Export-starke deutsche Wirtschaft noch schwerer treffen als der erste Lockdown, den wir im Frühjahr erlebt haben.

Hinzu kommen viele Vorschriften, die polarisieren. Die Diskussion um Heizpilze für die Außengastronomie ist da nur ein Beispiel. Für die Gastronomen und gegen Umwelt und Klimaschutz? Oder umgekehrt? – Wir erkennen eine zunehmende Tendenz, alles zu regeln und uns nach allen Seiten absichern zu wollen.

Besser wäre es, statt staatlicher Vorgaben die Eigenverantwortung der Menschen und der Unternehmen zu stärken. Es ist wie beim grünen Pfeil an einer roten Ampel: Er gibt uns das Recht, mit der gebotenen Vorsicht und auf eigene Verantwortung auf die Kreuzung zu fahren und abzubiegen. Das entspricht auch unternehmerischem Denken: weniger Vorschriften und Regeln, und zusehen, welche Chancen wir guten Gewissens nutzen können, ohne anderen zu schaden. Es ist falsch, alles bis ins Kleinste zu regeln, damit blockieren wir unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft.

Wir brauchen mehr Deregulierung und Verantwortung des Einzelnen, um unsere Flexibilität zu erhalten. Das gilt für den flexiblen Einsatz von Fachleuten wie auch für den Umgang mit der Corona-Pandemie. Gesundheit in der Gegenwart ist wichtig, keine Frage. Aber es gibt auch eine Zukunft, für die ich hoffe, dass wieder mehr Freiheiten gewahrt werden.

Folgen der Corona-Krise für Arbeitgeber und Hochschul-Absolventen

In den vergangenen Jahren haben wir oft gesagt: Ingenieure und Techniker können sich ihre Arbeitgeber fast aussuchen. Fachleute mit Technik-Background waren stark gesucht, der Markt zumindest der qualifizierten Bewerber war leergefegt. Das galt in fast allen Technik-relevanten Branchen gleichermaßen, egal ob Fahrzeugindustrie, Optik oder Maschinenbau.

Das ist in diesem Jahr etwas anders. Wegen der Folgen der Corona-Krise kümmern sich viele Betriebe vor allem im Fahrzeugbau (Pkw ebenso wie Nutzfahrzeuge) in erster Linie darum, ihr eigenes Überlegen zu sichern und bestehende Mitarbeiter zu halten. Es werden deutlich weniger neue Arbeitskräfte gesucht. Für viele Absolventen der Technik- und Ingenieur-Fächer, die in diesem Jahr die Hochschule verlassen, ist das ein Problem.

Absolventen: Gerade jetzt Kompetenzen aufbauen

In einem Vortrag an der Technischen Hochschule Ulm habe ich Studierenden und Absolventen vor kurzem nahegelegt, sich davon nicht entmutigen zu lassen. Im Gegenteil: Sie müssen sich gerade jetzt um eine umfassende Qualifikation und fachliche Kompetenz bemühen. Durch den Bologna-Prozess und andere Einflüsse ist die fachliche Qualität der Absolventen in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Wir sehen das regelmäßig an Bewerbungen, die wir erhalten, und an Berufseinsteigern, die wir im Auftrag von Arbeitgebern schulen. Dabei stellen wir fest: Vielen Absolventen fehlen notwendige Basics. Das fängt bei grundlegendem Fachwissen an und hört bei Umgangsformen, Mitarbeiterführung und Kundenbetreuung leider nicht auf. 

Die Corona-Krise hat weitere Anforderungen geschaffen: Wer heute Führungskraft sein will – noch dazu in technischen Berufen – muss eine Videokonferenz einrichten und leiten können; muss virtuell ebenso verbindlich und überzeugend auftreten wie im realen Kontakt; muss den Kontakt zu den eigenen Mitarbeitern und Kunden halten, auch und gerade in einem Lockdown, wie wir ihn in den vergangenen Monaten erlebt haben. Dass das möglich ist, habe ich vor kurzem schon geschrieben.

Unternehmen und Ingenieure müssen sich bewegen

Die derzeitige Krise setzt aber nicht nur die Absolventen unter Druck, sondern auch die Arbeitgeber. Das gilt vor allem für den Fahrzeugbau. Diesel-Skandal, Klimaschutz, E-Mobilität und die politische Diskussion um die richtige Antriebstechnik der Zukunft hat die Branche verunsichert. Außerdem wächst der Aufwand für immer mehr staatlich verlangte Dokumentationen, Nachweise, Auflagen und Genehmigungen. Viele unserer Kunden klagen über den enormen administrativen Aufwand, der immer mehr Zeit, Manpower und damit schlicht auch Geld bindet.

Auch künftig Wettbewerb um die besten Bewerber

Und wie die Bewerber müssen sich auch Unternehmen auf die wachsende Digitalisierung einstellen. Auch im Bewerbungsprozess. Wenn wir bei uns im Unternehmen eine gute Bewerbung erhalten, möchte ich, dass wir nach spätestens 24 Stunden einen ersten persönlichen Kontakt haben, telefonisch, per Mail oder per Video. Denn ich will auch in der Krise die besten Leute gewinnen. Denn trotz oder gerade wegen der Krise werden sich die besten Absolventen vermutlich auch künftig ihren Arbeitgeber aussuchen können. 

Für die Arbeitgeber gerade in den gebeutelten Branchen bedeutet das: Sie müssen mit der Zeit gehen. Wer virtuelle Konferenzen und digitale Bewerbungen, Skype oder Teams als Modeerscheinung abtut, verliert den Anschluss und damit die Basis für zukünftiges Handeln. Das gilt für Bewerber wie für Unternehmen.

Ihr Joachim Lang