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Corona-Krise: Wir brauchen weniger Regulierung und mehr Eigenverantwortung

In der Zeitung „Die Welt“ war vor kurzem zu lesen, Deutschland drohe eine „globale Außenseiterrolle“. Doch die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie treffen nicht nur die Außenwirtschaft des Export-Weltmeisters. Hinzu kommen zahlreiche neue Vorschriften, Gesetze und Regelungen, die uns in der Corona-Krise absichern sollen, dabei aber unser wirtschaftliches Handeln oft einschränken.

Ich schätze das Bemühen der Verantwortlichen, Menschen zum Beispiel durch die aktuell diskutierte Corona-Ampel zu schützen und Unternehmen, die durch die Einschränkungen leiden, finanziell unter die Arme zu greifen. Das geht aber einher mit immer mehr und immer neuen Regelungen und einem insgesamt extrem hohen Verwaltungsaufwand. Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise überwinden zu können, brauchen wir Vereinfachung statt täglich neuer Verkomplizierungen.

Gerade im internationalen Kontext ist es wichtig, dass wir trotz – oder gerade wegen – der Krise zum Beispiel Grenzen durchlässig halten. Ingenieure aus unserem Unternehmen sollten einen Kunden in den USA vor Ort unterstützen. Trotz vieler, sehr aufwändiger und langwieriger formaler Vorbereitungen war es uns nicht möglich in die USA einzureisen. America first… Auf der anderen Seite der Weltkarte, in China, beobachte ich im Moment ähnliche Tendenzen. Auch hier gibt es nach Jahren der Öffnung und des freien Handels aktuell mehr Abschottung. 

Das ist vor dem Hintergrund der Pandemie mit ihren aktuellen Fallzahlen verständlich. Aber wir müssen zusehen, dass wir uns als Staaten nicht einmauern. Denn dann wird auch die Wirtschaft eingesperrt. Ein Unterbrechen des Handels wird langfristig die Export-starke deutsche Wirtschaft noch schwerer treffen als der erste Lockdown, den wir im Frühjahr erlebt haben.

Hinzu kommen viele Vorschriften, die polarisieren. Die Diskussion um Heizpilze für die Außengastronomie ist da nur ein Beispiel. Für die Gastronomen und gegen Umwelt und Klimaschutz? Oder umgekehrt? – Wir erkennen eine zunehmende Tendenz, alles zu regeln und uns nach allen Seiten absichern zu wollen.

Besser wäre es, statt staatlicher Vorgaben die Eigenverantwortung der Menschen und der Unternehmen zu stärken. Es ist wie beim grünen Pfeil an einer roten Ampel: Er gibt uns das Recht, mit der gebotenen Vorsicht und auf eigene Verantwortung auf die Kreuzung zu fahren und abzubiegen. Das entspricht auch unternehmerischem Denken: weniger Vorschriften und Regeln, und zusehen, welche Chancen wir guten Gewissens nutzen können, ohne anderen zu schaden. Es ist falsch, alles bis ins Kleinste zu regeln, damit blockieren wir unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft.

Wir brauchen mehr Deregulierung und Verantwortung des Einzelnen, um unsere Flexibilität zu erhalten. Das gilt für den flexiblen Einsatz von Fachleuten wie auch für den Umgang mit der Corona-Pandemie. Gesundheit in der Gegenwart ist wichtig, keine Frage. Aber es gibt auch eine Zukunft, für die ich hoffe, dass wieder mehr Freiheiten gewahrt werden.

Folgen der Corona-Krise für Arbeitgeber und Hochschul-Absolventen

In den vergangenen Jahren haben wir oft gesagt: Ingenieure und Techniker können sich ihre Arbeitgeber fast aussuchen. Fachleute mit Technik-Background waren stark gesucht, der Markt zumindest der qualifizierten Bewerber war leergefegt. Das galt in fast allen Technik-relevanten Branchen gleichermaßen, egal ob Fahrzeugindustrie, Optik oder Maschinenbau.

Das ist in diesem Jahr etwas anders. Wegen der Folgen der Corona-Krise kümmern sich viele Betriebe vor allem im Fahrzeugbau (Pkw ebenso wie Nutzfahrzeuge) in erster Linie darum, ihr eigenes Überlegen zu sichern und bestehende Mitarbeiter zu halten. Es werden deutlich weniger neue Arbeitskräfte gesucht. Für viele Absolventen der Technik- und Ingenieur-Fächer, die in diesem Jahr die Hochschule verlassen, ist das ein Problem.

Absolventen: Gerade jetzt Kompetenzen aufbauen

In einem Vortrag an der Technischen Hochschule Ulm habe ich Studierenden und Absolventen vor kurzem nahegelegt, sich davon nicht entmutigen zu lassen. Im Gegenteil: Sie müssen sich gerade jetzt um eine umfassende Qualifikation und fachliche Kompetenz bemühen. Durch den Bologna-Prozess und andere Einflüsse ist die fachliche Qualität der Absolventen in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Wir sehen das regelmäßig an Bewerbungen, die wir erhalten, und an Berufseinsteigern, die wir im Auftrag von Arbeitgebern schulen. Dabei stellen wir fest: Vielen Absolventen fehlen notwendige Basics. Das fängt bei grundlegendem Fachwissen an und hört bei Umgangsformen, Mitarbeiterführung und Kundenbetreuung leider nicht auf. 

Die Corona-Krise hat weitere Anforderungen geschaffen: Wer heute Führungskraft sein will – noch dazu in technischen Berufen – muss eine Videokonferenz einrichten und leiten können; muss virtuell ebenso verbindlich und überzeugend auftreten wie im realen Kontakt; muss den Kontakt zu den eigenen Mitarbeitern und Kunden halten, auch und gerade in einem Lockdown, wie wir ihn in den vergangenen Monaten erlebt haben. Dass das möglich ist, habe ich vor kurzem schon geschrieben.

Unternehmen und Ingenieure müssen sich bewegen

Die derzeitige Krise setzt aber nicht nur die Absolventen unter Druck, sondern auch die Arbeitgeber. Das gilt vor allem für den Fahrzeugbau. Diesel-Skandal, Klimaschutz, E-Mobilität und die politische Diskussion um die richtige Antriebstechnik der Zukunft hat die Branche verunsichert. Außerdem wächst der Aufwand für immer mehr staatlich verlangte Dokumentationen, Nachweise, Auflagen und Genehmigungen. Viele unserer Kunden klagen über den enormen administrativen Aufwand, der immer mehr Zeit, Manpower und damit schlicht auch Geld bindet.

Auch künftig Wettbewerb um die besten Bewerber

Und wie die Bewerber müssen sich auch Unternehmen auf die wachsende Digitalisierung einstellen. Auch im Bewerbungsprozess. Wenn wir bei uns im Unternehmen eine gute Bewerbung erhalten, möchte ich, dass wir nach spätestens 24 Stunden einen ersten persönlichen Kontakt haben, telefonisch, per Mail oder per Video. Denn ich will auch in der Krise die besten Leute gewinnen. Denn trotz oder gerade wegen der Krise werden sich die besten Absolventen vermutlich auch künftig ihren Arbeitgeber aussuchen können. 

Für die Arbeitgeber gerade in den gebeutelten Branchen bedeutet das: Sie müssen mit der Zeit gehen. Wer virtuelle Konferenzen und digitale Bewerbungen, Skype oder Teams als Modeerscheinung abtut, verliert den Anschluss und damit die Basis für zukünftiges Handeln. Das gilt für Bewerber wie für Unternehmen.

Ihr Joachim Lang

Zeitarbeit und Werkverträge sichern den Technologie-Standort Deutschland

Als vor einigen Wochen beim Schlachtbetrieb Tönnies zahlreiche Mitarbeiter positiv auf das Corona-Virus getestet wurden, gerieten erneut das Instrument der Werkverträge und die Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ) in den Focus der politischen und öffentlichen Diskussion. Obwohl das eine (Corona) mit dem anderen (Werkverträge) erst einmal gar nichts zu tun hat. Aber wir kennen es schon aus den vergangenen Jahren: Kommt irgendwo ein Skandal beim Umgang von Arbeitgebern und Unternehmen mit ihren Angestellten ans Tageslicht, machen einige Politiker sehr schnell Beschäftigungsverhältnisse und Arbeitsverträge als Wurzel allen Übels aus. Doch das greift regelmäßig zu kurz und ist auch völlig falsch. 

Nun sollen also Werkverträge und Arbeitnehmerüberlassung in der Fleischindustrie verboten werden. Und im Bundesarbeitsministerium gab es – so berichteten es einige Medien – deutlich wahrnehmbare Überlegungen, dieses Verbot auf andere Branchen auszuweiten.

Immer wieder gibt es solche Vorschläge, immer wieder werden ANÜ, Zeitarbeit und Werkverträge als verwerfliche Übeltaten dargestellt – und immer wieder verunsichert das Unternehmen und Beschäftigte. Weil „Ausbeutung“ zwar eine „Schande“ ist, wie Arbeitsminister Heil sagte, weil aber nicht jeder Werkvertrag einer Ausbeutung gleichkommt. Und weil diese Vorschläge nicht nur an dem eigentlichen Problem vorbei gehen, sie zeugen auch von fachlicher Unwissenheit und schaden gleichzeitig dem Technologie- und Wirtschafts-Standort Deutschland. 

Unternehmen können Spezialisten bei Bedarf flexibel beauftragen

Denn ohne die qualifizierte und erfolgreiche Arbeitnehmerüberlassung und das Instrument der Werkverträge gäbe es zahlreiche erfolgreiche Ingenieur-Dienstleister mit Tausenden von herausragend qualifizierten Beschäftigten nicht. Und viele Technologien wären wohl nie entwickelt worden. Deutschland ist auch deswegen ein Spitzenreiter bei technischen Innovationen, weil wir diese Arbeitsmodelle haben und weil wir mit Spezialisten in ganz unterschiedlichen Disziplinen arbeiten. 

Entwickelnde Unternehmen (zum Beispiel in der Automobilindustrie, Optik oder im Maschinenbau) können Ingenieure und Techniker flexibel beauftragen, wenn Sie deren Expertise und Spezialwissen benötigen. Kein Unternehmen könnte diese Spezialisten als Stamm eigener Mitarbeiter vorhalten. Sie werden den Unternehmen überlassen (daher „Arbeitnehmerüberlassung“), so lange (daher „Zeitarbeit“) bis ein vereinbarter Auftrag abgeschlossen und ein verabredetes Werk entstanden ist (daher „Werkvertag“). 

Das ist relativ einfach, keineswegs bösartig und bietet für alle Beteiligten inkl. Staat und Sozialsystem nur Vorteile. Nicht zuletzt für die Beschäftigten selbst, die so immer in einem festen und fairen Arbeitsverhältnis bei ihrem eigentlichen Arbeitgeber stehen. Die Alternative wäre, dass jedes Unternehmen – jeder Auftraggeber – bei Bedarf sich seine eigenen Spezialisten sucht, anstellt und nach getaner Arbeit wieder entlässt. Nein, eine Alternative ist das nicht!

Ein pauschales Verbot ist unsinnig und unverhältnismässig

Werkverträge und Arbeitnehmerüberlassung haben für die unterschiedlichen Branchen ganz verschiedene Bedeutung. Auch daher ist es falsch, ein pauschales Verbot durchzudrücken. Außerdem liegt das Problem regelmäßig nicht im Instrument der Werk- und Zeitverträge, sondern darin, wie manche Unternehmer mit ihren Beschäftigten (ob fest angestellt oder auf Zeit) umgehen. So auch bei Tönnies und anderen Unternehmern, die schon an den Pranger gestellt wurden. Wenn man ihnen etwas vorwerfen kann, dann ist es vielleicht der Umgang mit ihren festen, freien oder temporären Mitarbeitern, vielleicht Bezahlung und Unterbringung. Aber dass sie Instrumente wie Zeitarbeit und Werkverträge nutzen, ist nichts Verwerfliches.

Der Ethikrat der Unternehmen hat daher in einer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass gerade Zeitarbeit durch Kontrollen, Tarifverträge, Einbindung in die Betriebsorganisation und umfassende Dokumentationspflichten gekennzeichnet sei. Ein Verbot macht daher keinen Sinn, es wäre zudem ein Eingriff in die Vertragsfreiheit, sachfremd und weder erforderlich noch verhältnismäßig.

Hoffen wir, dass sich die Politik auf Augenmaß statt Aktionismus beruft. Damit Unternehmen, die sich auf die temporäre Überlassung von Spezialisten (vgl. „Interim Management“) spezialisiert haben, auch weiterhin ihre Kunden in den verschiedenen Industrien versiert und qualifiziert unterstützen und den Standort Deutschland sichern können.

Ihr Joachim Lang

Soft Skills sind mehr als ein Muss – auch für Ingenieure

Ingenieuren wird oft nachgesagt, sie seien Kommunikationsmuffel. Das ist in der Verallgemeinerung natürlich falsch. Richtig ist, dass eine hervorragende fachliche Kompetenz nicht ausreicht, um ein guter Ingenieur zu sein. Neben der fachlichen Verantwortung gehört immer mehr die Führung von Projekten und Mitarbeitern dazu. Was man dafür neben dem Fachwissen noch braucht, sind die so genannten Soft Skills.

Neulich habe ich eine gute Headline gelesen: Soft Skills sind keine Option, sie sind ein Muss. Genauso ist es. Soft Skills sind in jedem beruflichen (und auch privaten) Miteinander von großer Bedeutung. Sie werden den meisten nicht in die Wiege gelegt, man kann sie sich aber aneignen. Durch Coaching (wir nutzen dafür seit einiger Zeit sehr erfolgreich auch Pferde-gestütztes Coaching, regelmäßiges Training oder Seminare. 

In dem oben erwähnten Beitrag werden beispielhaft drei Fähigkeiten genannt, die zu den Soft Skills zählen: Zeitmanagement, Empathie und Organisationsgeschick.

Alle drei Punkte haben mit Ingenieur-Wissen oder technischer Kompetenz nicht direkt zu tun. Sie sind aber ebenso wichtig. Gerade während des Corona-bedingten Shutdown mit Homeoffice und Kurzarbeit waren Organisationsgeschick sowie Zeit- und Selbstmanagement sehr wichtig. Sich selbst und seine Aufgaben zu managen und dem Tag eine Struktur zu geben, sind eine entscheidende Voraussetzung, wenn zum Beispiel Homeoffice, Familie und Kinderbetreuung unter einen Hut gebracht werden mussten. 

Gleiches galt für diejenigen, die auf 100 Prozent Kurzarbeit heruntergefahren wurden und für ihre „freie Zeit“ einen Ablauf und vor allem einen Sinn brauchten. Unternehmer und Teamleiter standen vor der Aufgabe mit diesen Beschäftigten regelmäßig zu kommunizieren, um sie dabei zu unterstützen, ihren Tagen Struktur zu geben und sie aus möglichen „Löchern“ zu befreien. Auch diese Form von Unterstützung und das dafür nötige Einfühlungsvermögen gehören zu Soft Skills. 

Ebenso alles, was wir unter Empathie und Kommunikationsfähigkeit verstehen. Dann auch technisches Wissen, Einschätzungen und Meinungen müssen von Ingenieuren und Technikern vermittelt und vertreten werden – oft gegenüber Menschen, die nicht denselben Background haben und unabhängig davon, ob wir mit Kunden, Lieferanten oder untereinander sprechen. Dabei geht es auch darum, Gestik und Mimik zu deuten und Emotionen zu erkennen.

Organisationsgeschick schließlich ist die Voraussetzung, um mehrere (Kunden-) Projekte und Aufgaben im Zeit- und Kostenrahmen zum Erfolg zu führen. Das umfasst die analoge und virtuelle Ablage von Dokumenten, die Kenntnis von Ansprechpartnern, das Wissen um Termine und Fristen und vieles mehr. Diese Soft Skills sind wichtig, um im Berufsalltag – aber auch in der Krise, wie wir sie jetzt hatten – klarzukommen und den Überblick zu behalten. Sie sind daher in der Tat ein Muss für alle Beschäftigten.

Mit dem Rad zur Arbeit

morgen am Freitag ist der „Auf-Arbeit-Radeln-Tag“ – er wurde vor über 60 Jahren in den USA ins Leben gerufen („Bike-to-Work Day“) und findet immer am dritten Freitag im Mai statt. Beschäftigte auf der ganzen Welt sind dann aufgerufen, den Weg zur Arbeit statt im Auto auf dem (Fahrrad!)Sattel zurückzulegen.

Dass in diesem Jahr weltweit Millionen Arbeitnehmer wegen der Reaktionen auf das Coronavirus gar nicht zur Arbeit kommen, sondern zu Hause arbeiten oder – gerade in den USA – ihren Job verloren haben, ist ein gewaltiger Wermutstropfen. Die Initiative erinnert uns aber daran, dass Bewegung auch in einem veränderten Alltag mit Homeoffice oder Kurzarbeit nicht zu kurz kommen darf.

In Deutschland gibt es außerdem die Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“. Sie wird vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC und der AOK in Zusammenarbeit u.a. mit unserem Kooperationspartner JobRad* angeboten. Wer mitmachen möchte, kann sich auf der Website (https://www.mit-dem-rad-zur-arbeit.de) registrieren und evtl. in Teams organisieren. Unter allen Rad-Pendlern werden monatlich Preise verlost, bundesweit gibt es schon 260.000 Teilnehmer und fast 23.000 Teams.

Die Macher schreiben in diesem Jahr ausdrücklich auf ihrer Website: Auch Fahrten rund ums Homeoffice zählen! Also: Machen Sie mit, steigen Sie aufs Rad und genießen Sie die frische Luft – ab Samstag wird’s auch wieder frühlingshafter. Das ist in jedem Fall gesünder als Sitzen im Auto oder Maskentragen in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Ich wünsche Ihnen einen frischen und bewegungsreichen Freitag.

Ihr Joachim Lang

Weiterbildung in der Krise? Jetzt erst recht

Wegen der Corona-bedingten Einschränkungen unternehmerischer und sozialer Kontakte finden immer mehr Tätigkeiten remote oder virtuell statt. Das gilt für Projektsteuerung ebenso wie für Mitarbeitergespräche, Vorträge, Abstimmungen und Diskussionen. Auch in der Weiterbildung gibt es immer mehr Angebote, die der Situation angepasst sind.

Ich habe selbst in den vergangenen Wochen an einigen Online-Schulungen teilgenommen. Einerseits um zu sehen, wie gut sie sind, und andererseits wie sich die Ergebnisse in den ungewohnten Arbeitsalltag integrieren lassen. Zudem geben wir unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, virtuelle Weiterbildungs-Angebote in Anspruch zu nehmen und die Zeit in der Krise für ihre Fortbildung zu nutzen.

Virtuelle Bildung hat eindeutig Vorteile. Da die persönliche Anwesenheit am Seminarort nicht nötig und derzeit ohnehin nicht erlaubt ist, können Schulungen flexibler stattfinden. Ohne Anreise und Übernachtung und mit weniger Zeitaufwand für den Einzelnen. Und die Kosten sind um ein Vielfaches geringer als bei klassischen Präsenz-Seminaren. 

Virtuelle Seminare bieten mehr Möglichkeiten

Mitarbeiter und Unternehmen unterschiedlicher Branchen können zielgerichtet individuelle und spezialisierte Angebote nutzen: Es sind nicht mehr pauschale 2-Tages-Seminare, sondern inhaltlich genau angepasste Angebote, die nur Minuten oder wenige Stunden dauern. Manchmal lassen sie mich in ein Thema blicken, bei dem ich im Anschluss entscheide, ob ich wirklich den ganzen Kurs verfolge. Viele Seminarträger bieten Webinare kostenlos zum Test an. Insgesamt gibt es also deutlich mehr flexible Möglichkeiten als bei klassischen Präsenz-Seminaren.

Für mich sind Webinare von 60 bis 90 Minuten Umfang auch am heimischen Rechner gut zu machen, ohne dass die Aufmerksamkeit nachlässt. Außerdem werden umfangreiche Themen oft in mehrere Lektionen aufgeteilt. So können sich alle entsprechend ihrer eigenen Zeitplanung (Home-Office, Home-Schooling, Kinderbetreuung etc.) die Weiterbildung individuell aufteilen – ohne, dass einer von uns den Anschluss verlieren muss.

Online-Weiterbildung wird damit unserer aktuellen Arbeitsrealität gerecht. Gerade die Kombination aus Beruf und Alltag, Familie und Kindern, stellen derzeit für viele Beschäftigte eine große Belastung dar. Wenn sie für sich Zeitinseln finden, in denen sie sich virtuell weiterbilden können, ist das ebenfalls ein großer Vorteil.

Natürlich haben digitale Weiterbildungen auch Nachteile. Zum Beispiel fehlt der persönliche Kontakt. Der Austausch der Seminarteilnehmer untereinander und mit den Referenten funktioniert nicht. Obwohl das nicht sein muss. Jeder kann seine Fragen wie bisher stellen – nur eben nicht im persönlichen Gespräch, sondern als Frage im Chat. Und Seminar-Teilnehmer, die ein Thema vertiefen möchten, können sich darüber hinaus zum individuellen Austausch mit den Referenten verabreden.

Qualifikation und Motivation: Lebensversicherung für jeden Unternehmer

Was aber noch für Weiterbildung in der Krise spricht: In Zeiten von Homeoffice und Kurzarbeit können viele Beschäftigte nicht so arbeiten, wie sie möchten, und leiden unter Zusatz-Belastungen. Hier haben Arbeitgeber die Chance, den eigenen Mitarbeitern Wertschätzung und Anerkennung zu geben und ihnen die Weiterbildung zu ermöglichen. Wenn die Wirtschaft wieder hochfährt – das wird sie tun, auch wenn es in manchen Branchen und Betrieben noch einige Wochen dauert – brauchen alle, die überlebt haben, qualifizierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Weiterbildung in Krisenzeiten ist eine Form der Qualifizierung und Motivation – eine Lebensversicherung für jeden Unternehmer.

Ihr Joachim Lang

Mut zur Veränderung in Corona-Zeiten

Kurzarbeit und Home-Office, Video-Konferenzen statt Geschäftsreisen, digitale Chats statt analoger Meetings… Wer hätte noch vor wenigen Monaten gedacht, dass ein kleines, aber gefährliches Virus viele unserer Business-Traditionen mit einem Schlag über den Haufen wirft. Zugegeben: Durch die Unterbrechung von Wertschöpfungsketten und durch die angeordnete Schließung von Geschäften ist die Lage für viele Unternehmen in den letzten zwei Wochen prekär geworden. Selbst in den von uns betreuten Industrie-Branchen Optik, Fahrzeugbau und Maschinenbau müssen wir deutliche Einbußen hinnehmen.

Andererseits haben wir in sehr kurzer Zeit Wege gefunden, wie wir mit Einschränkungen im Geschäftsalltag umgehen. Durch eine strikte Nutzung digitaler Kommunikationswege haben wir den Kontakt aller Mitarbeiter untereinander halten und die weiter anfallenden Aufgaben erledigen können. Aus dem Druck der Situation heraus haben wir ohnehin geplante IT-Vorhaben sofort umgesetzt.

Vorhaben, von denen wir immer gesagt haben: man müsste mal… es wäre bestimmt auch möglich… wir könnten vielleicht… Das Coronavirus, die politischen Programme und die wirtschaftlichen Restriktionen haben uns in Windeseile von einem vagen hätte-könnte-wäre-schön zu klaren Veränderungen gebracht.

„Ich glaube, dass alle sich vor Veränderungen fürchten“, heißt es in dem Buch „Der Dämon und Fräulein Prym“ von Paulo Coelho. Vielleicht ist das so. Vielleicht scheuen wir immer ein bisschen das Neue. „Der Mensch will immer, dass alles anders wird, und gleichzeitig will er, dass alles beim alten bleibt.“ Doch das funktioniert nicht. Wer beharrlich am Alten festhält, kann sich für das Neue nicht öffnen.

Das ist nicht nur bei der Umsetzung von digitaler Kommunikation in Zeiten von Corona so. Veränderungen im System führen bei vielen Menschen – Arbeitgebern wie Arbeitnehmern – oft zu Abwehr-Reaktionen, zu Misstrauen und mangelndem Selbstvertrauen. Als Coach weiß ich, dass ich dieser Abwehr mit Verständnis begegnen und den Betroffenen Mut zusprechen muss. So wie ich auch für meine Mitarbeiter (siehe mein Blog) immer erreichbar bin und mit ihnen regelmäßig via Mail und Skype kommuniziere.

Ein Vorteil: Mancher bereitet sich auf diese neue Art von Terminen viel besser vor als auf das obligatorische Meeting im Konferenzraum. Das haben mir Kunden von ihren Mitarbeitern bestätigt. Weil die Redebeiträge in der Video-Konferenz nacheinander und in Ruhe kommen müssen (sonst versteht keiner etwas), bringt jeder seine Themen geordnet mit. Sie stellen fest, dass ihre Video-Konferenzen in manchen Arbeitsbereichen mehr Details zutage fördern und sie in weniger Zeit mehr erreichen.

Wir werden viele der aktuellen Änderungen nach der Corona-Krise in einen dann normalen Alltag übernehmen. Manche Unternehmer, Teamleiter und Beschäftigte werden vielleicht in einen Vor-Corona-Zustand zurückstreben. „Dennoch schafft hin und wieder etwas Unerwartetes endgültige Veränderungen“, heißt es bei Coelho. Das kann positiv sein.

Alles Gute, Ihr Joachim Lang

Coaching: Anfrage der Zeitschrift „Personalwirtschaft“

Im vergangenen Jahr hatte ich an dieser Stelle über Pferde-gestütztes Coaching geschrieben. Wir bieten es seit einiger Zeit als Teil unserer Coaching- und Beratungs-Leistungen für Unternehmen und Führungskräfte an. Das Fachmagazin „Personalwirtschaft“ hatte mir daraufhin für die vor kurzem erschienene Ausgabe die Frage gestellt: Sind Pferde die besseren Coaches?

In der Tat hat das Coaching mit Unterstützung von Pferden viele Vorteile gegenüber dem herkömmlichen Coaching. Es gibt viele Führungskräfte, Geschäftsführer und leitende Angestellte, denen es schwerfällt, sich einer anderen Person gegenüber authentisch zu geben und zu öffnen. Was mag der- oder diejenige bloß von mir denken? Bloß keine Schwäche zeigen. Dem Pferd ist das egal. Es denkt nicht darüber nach, warum sich die Führungskraft so oder anders verhält. Es nimmt Stimmungen und Emotionen wahr – und es reagiert direkt darauf. Für manche Coachees, die wir betreuen, ist das eine große Erleichterung. Egal wie sie sich verstellen, mit dem Pferd kommen sie selbst ihrem wahren Kern näher.

Denn durch ihre sensible Wahrnehmung erkennen Pferde unbewusste oder unterdrückte Verhaltensweisen. Auch Ängste gehören dazu. Ein guter Coach wird die auch bemerken und darauf reagieren, sie hinterfragen, berücksichtigen und den Betroffenen entsprechend leiten. Das Pferd reagiert aber eindeutiger und schneller. Gerade bei der Frage nach „Wie wirke ich auf andere?“ ist diese schnelle, unverstellte, ehrliche und völlig unabhängige Rückmeldung von Coaching-Pferden enorm wichtig.

Allerdings müssen diese Rückmeldung und die Erkenntnisse – manchmal auch ein enormer Gewinn an Selbsterkenntnis – vom Geschehen in Coaching-Atmosphäre in den beruflichen und privaten Alltag transferiert werden. Das gelingt erst durch die Reflektion mit einem ausgebildeten und erfahrenen Coach und durch seine weitere Begleitung. Seine Aufgabe ist es, das Erlebte, die Reaktionen des Pferdes, eigene Beobachtungen und das Feedback des Coachees umzusetzen. Daher: Pferde sind im Coaching eine wichtige Ergänzung, einen guten Coach ersetzen sie aber nicht.

Ihr Joachim Lang

Home-Office: Mitarbeiterführung in Zeiten von Corona

Seit 10 Tagen ist bei uns – wie bei vielen anderen Unternehmen – Home-Office angesagt. Die meisten unserer Personalberater, Ingenieure und Interim Manager arbeiten von zu Hause aus. Das Coronavirus eben…

Um in diesen außergewöhnlichen Zeiten ohne persönlichen Kontakt den Betrieb aufrecht zu erhalten, ist für uns eine regelmäßige und strukturierte Kommunikation unerlässlich. Daher haben wir zu festen Zeiten Konferenzen von Verwaltung und Geschäftsleitung. Wir haben uns für Skype entschieden, damit wir uns gegenseitig sehen können und nicht nur miteinander telefonieren. Das ist wichtig – und liefert manchmal auch Anlässe zur Erheiterung, je nachdem wo sich die Mitarbeiter während der Skype-Session aufhalten (Keller, Kinderzimmer, Küche – nicht jeder hat ein Arbeitszimmer zu Hause).

Solche Konferenzen müssen unbedingt moderiert werden. Eine offene Diskussion wie in einem Besprechungsraum, bei der Redebeiträge eingeworfen werden, funktioniert nicht. Das gibt ein großes Durcheinander. Was wir dadurch lernen: Zuhören, Beiträge später in Ruhe ergänzen. Es ist wie in einem Orchester: Der Dirigent gibt die Einsätze. Dann klingt das Ganze auch gut – und ist genauso effektiv wie eine persönliche Runde.

Für den Austausch über Entfernungen sind zwei Dinge besonders wichtig: Dass alle Beteiligte funktionierende IT-Tools haben, und das wir eine strukturierte (!) Kommunikation schaffen. Darum erhalten alle Mitarbeiter – neben den täglichen Skype-Konferenzen der Leitungsebene – zu zwei festen Terminen in der Woche Mails, mit denen ich sie auf den aktuellen Stand bringe, Informationen streue und Tipps gebe für die erfolgreiche Arbeit zu Hause.

Derzeit arbeiten ja nicht nur viele Beschäftigte im Home-Office, sondern auch deren Kinder, weil die Schulen geschlossen sind. Das heißt, die Familie hockt 24 Stunden lang aufeinander und teilt sich mitunter einen Schreibtisch. Das ist für viele psychisch belastend – mehr als der berühmte Lagerkoller. Vielen fehlt der Ausgleich. Das gilt umso mehr, seit durch Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote unsere Bewegungsfreiheit reduziert ist. Auch darum ist mir die Kommunikation mit den Beschäftigten so wichtig.

Manchen Mitarbeitern fehlt eine gute Arbeits- und Tagesstruktur mit festen Zeiten. So wie ein Stundenplan in der Schule. Mein Rat an die Beschäftigten: Planen Sie mit Ihren Familien: Wann ist Zeit für Schularbeiten, wann Zeit für Jobs, wann für Freizeit… Wer schon immer mehr Struktur in sein Leben bringen wollte, der hat jetzt die Chance dazu. Corona sei Dank…

Diese Woche werde ich noch an einem Webinar zum Thema Mitarbeiterführung im Home-Office teilnehmen. Ich bin gespannt darauf, was es an zusätzlichem Input bringt.

Arbeiten in Corona-Zeiten: Machen Sie das Beste daraus und bleiben Sie gesund!

Ihr Joachim Lang

Perfektionieren wir den Wirtschaftsstandort Deutschland kaputt?

Der Bau der geplanten Tesla-Fabrik für Elektrofahrzeuge in Brandenburg war zwischendurch ins Stocken geraten. Ein Gericht hatte die Rodung des Waldgebietes, auf dem die Fabrik entstehen soll, zunächst gestoppt. Die Boulevard-Presse schrieb von einem „Streit um Kiefern und Ameisen“ – an einem Ort, an dem Klimaschutz durch Elektromobilität realisiert werden sollte.

Es schien, als würde es dem Renommee-Projekt von Tesla gehen wie vielen anderen großen Bau- und Entwicklungsprojekten auf deutschem Boden zuvor. Elbphilharmonie, Berliner Flughafen… In Shanghai konnte Tesla seine Fabrik in Rekordzeit hochziehen, in Deutschland ist das alles schwieriger. Es gibt eine erste Idee, dann die ersten Pläne, Prüfungen, Debatten und Gutachten – und dann kommen die Gegenstimmen, die Klagen und Prozesse, und das Ganze erstreckt sich in oft jahrelange Streitigkeiten und Verfahren vor Gericht. Wenn es gut geht, kommt das Projekt irgendwann zu einem passablen Abschluss. Doch die Kosten schießen im Laufe der Zeit in die Höhe, während das Ansehen in den Keller rutscht.

Machen wir uns mit unserem Schutz- und Dokumentations-Perfektionismus kaputt? Ich lasse zum Beispiel gerade einen alten Bauernhof renovieren und zu einem Seminar- und Coaching-Zentrum ausbauen. Der Kaminbauer, den ich in diesem Zusammenhang konsultierte, sagte mir neulich: „Lange mach ich das nicht mehr. Mit all den Vorschriften kann ich nicht mehr arbeiten. Jeden Monat kommt was Neues dazu.“ Und der Leiter des Gartenbaubetriebs, der das Gelände anlegen soll: „Ich werde wahnsinnig mit den Vorschriften, Nachweispflichten, Herkunftspflichten und Düngedokumentation.“ Beide stehen kurz davor aufzugeben.

Umwelt- und Klimaschutz ist wichtig, keine Frage! Und natürlich müssen Bau-Tätigkeiten und Werkstoffe sauber und transparent dokumentiert sein. All das kommt uns und den nachfolgenden Generationen zugute. Aber wir sollten dabei die Verhältnismäßigkeit nicht aus dem Auge verlieren. In Grünheide soll eine riesige Waldfläche abgeholzt werden, das stimmt. Aber genau dafür wurden die Bäume gepflanzt. Als Forst-Wirtschaft, als natürlicher Rohstoff für die Industrie. Die Fläche wäre ohnehin gerodet worden.

Und in einer ansonsten wirtschaftlich eher schwachen Region entstehen in der Fabrik und bei Zulieferern und potenziellen Dienstleistern Tausende Arbeitsplätze. Außerdem wird die Zukunft von Tesla in Brandenburg weltweit das Bild des Wirtschaftsstandorts Deutschland prägen. Wir müssen international wettbewerbsfähig bleiben, wenn Wirtschaft und Gesellschaft (und ganz nebenbei auch unser insgesamt hoher Lebensstandard in Deutschland) Zukunft haben sollen.

Seit Jahren rufen Politiker nach mehr Elektromobilität als klimafreundliche Alternative. Nun investiert ein Unternehmen Milliarden in ein entsprechendes Werk, und dann gibt es solche Hürden. Ich wünsche mir mehr Praktiker in Politik und Verwaltung – und in Umweltverbänden. Sie müssen wissen, wie Volkswirtschaft und Unternehmen ticken. Sie sollten weniger diskutieren und dafür mehr handeln, vereinfachen und entlasten. Sonst ziehen Unternehmen und Facharbeiter woanders hin zum Arbeiten. Und mit ihnen gehen dann auch Wirtschaftsstandort, Wohlstand und Sozialsystem.

Ihr Joachim Lang