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Unternehmen 2020: Mensch und Gesellschaft rücken in den Mittelpunkt

Vor kurzem habe ich eine E-Mail erhalten, in der es hieß: „Tech alone does not solve all human problems. We really need to pay more attention to the human side of the future.” Technik allein ist nicht alles – und das schreibe ich als überzeugter Ingenieur. Wir werden die aktuellen und noch kommenden Probleme (Klima, Umwelt, Wohlstand, Ernährung etc.) nicht lösen, wenn wir keine Aufmerksamkeit auf die Menschen legen und sie auf dem Lösungsweg mitnehmen.

Eine ähnliche Aussage habe ich vergangene Woche auf einem Empfang für Unternehmer gehört: Mehr Gewicht auf Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung legen. Den Menschen stärker in den Mittelpunkt rücken und die ausschließliche Ausrichtung an Umsatz und Gewinnmaximierung aufgeben.

Das klingt nach radikalen Worten. Sie kamen in diesem Fall aber nicht aus einer (politisch) radikalen Ecke, sondern von Saori Dubourg, die als Vorstandsmitglied bei BASF für mehr als 70.000 Beschäftigte zuständig ist. Hintergrund ihres Vortrags war, dass Unternehmenswerte nur auf Bilanzen basieren, auf Umsatz- und Gewinnzahlen. Bei einer Unternehmensbewertung sollten aber Faktoren, die sich auf gesellschaftliche und Umwelteffekte auswirken, höher gewichtet werden. Damit rüttelte sie – wie später eine Zeitung schrieb – „am Gral der Finanzvorstände und Investoren“.

Ebenso interessant wie diese Auslegung von Saori Dubourg fand ich ihren Gebrauch des Begriffs „Nachhaltigkeit“. Ich erlebe bei meiner Beratung immer wieder viele Unternehmer, die sich und ihren Betrieb als „nachhaltig“ sehen, weil sie in energiesparende Lampen und Maschinen investieren, in der Kantine den Müll trennen oder Büsche und Bäume pflanzen.

Nachhaltigkeit bedeutet aber im Kern mehr: Andere Prioritäten setzen, achtsam werden für die Belange von Umwelt und Gesellschaft und ihnen einen anderen Wert zuschreiben. „Langfristiger Geschäftserfolg bedeutet, echte Werte für Umwelt, Gesellschaft und das eigene Unternehmen zu schaffen“, definierte Frau Dubourg. Und Nachhaltigkeit sei „nichts anderes, als die nächste Stufe der Effizienz“. Nachhaltig denken und unternehmerisch erfolgreich handeln schließen sich nicht aus.

Für mich als Unternehmer heißt das: Die Prioritäten prüfen, die Ausrichtung von Unternehmen und Unternehmer und das eigene Handeln hinterfragen. Das heißt im Extremfall auch fragen: Möchte ich nur noch mit Kunden zusammenarbeiten, die sich nachhaltig und nachweisbar für Klimaschutz, Mitarbeiter und Menschenrechte einsetzen? Ich finde, das ist ein spannender Ansatz.

Ihr Joachim Lang

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