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Sabbaticals: Chancen und Risiken für Unternehmen

Das Handelsblatt widmete sich im Oktober der steigenden Zahl von Sabbaticals in der Arbeitswelt. Immer mehr Arbeitnehmer wünschen sich eine Auszeit. Und immer mehr Unternehmen kommen diesem Wunsch entgegen, wie der Autor Curt Diehm schreibt. Denn „sie wissen, nur mit diesen Formen des New Work bekommen sie die umworbenen jungen Talente, denen oft ihr Lifestyle wichtiger ist als Geld und klassische Karriere.“

In der Tat kann ein wie auch immer gestaltetes Angebot für Auszeiten im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter ein entscheidender Vorteil sein. Und es gibt noch mehr Gründe, warum Unternehmen Sabbaticals ermöglichen sollten. Es gibt allerdings auch einige Stolpersteine, und die sollten Unternehmer kennen.

Ein solcher Stolperstein kann die falsche Einstellung von Mitarbeitern zu ihrem Job sein. Wer New Work als besonders entspannte Haltung zu einem eher bequemen Berufsleben versteht, kann damit auf Dauer keinen Erfolg haben. Den meisten erfolgreichen Unternehmen liegen Arbeit und Engagement zugrunde. Das geht mit Begeisterung für den Job besser, als mit Begeisterung fürs Sabbatical.

Der Unternehmer Reinhold Würth hat in einem Interview vor kurzem gesagt: „Im Grunde darf Arbeit keine Bürde sein, sondern sollte eine Hobby-Komponente, also eine sportliche Komponente enthalten. Dann macht das auch Freude.“ Wer keine Freude an der Arbeit hat, macht den falschen Job. Da kann auch ein Sabbatical nicht helfen. Da braucht es Coaching und Beratung. Denn was nützt es, wenn ein vermeintlich guter, hochqualifizierter Mitarbeiter mitten in einer wichtigen Projekt-Phase die Chance auf ein Jahr Auszeit sieht, ohne seine Verantwortung für das Unternehmen zu sehen.

Für Unternehmen kann es andererseits von Vorteil sein, wenn Beschäftigte nach einer Weile mit dem Blick von außen auf den eigenen Betrieb schauen. Wenn sie dann noch Änderungen in Arbeitsabläufen vorschlagen, kann davon ein ganzes Unternehmen profitieren.

Profitabel ist auch das Sabbatical als Gesundheitsvorsorge. In den von mir als Personalberater begleiteten technischen Branchen sind in den vergangenen Jahren die Anforderungen gestiegen. Zwischendurch den Druck herunterfahren und die Batterien wieder aufladen, ist ein wichtiger Teil der Vorsorge. Betriebe, die das ermöglichen, ersparen sich dadurch möglicherweise krankheitsbedingte Ausfälle.

Schließlich eignet sich ein Sabbatical auch als Maßnahme fürs Outplacement. Statt Arbeitnehmern bei schlechter Auftragslage zu kündigen oder sie innerhalb des Betriebs auf andere Positionen zu setzen, ist es besser, Auftragsrückgänge durch gezielte Auszeitprogramme zu überbrücken. Das vermeidet eine spätere Suche nach motivierten und qualifizierten Mitarbeitern und erhöht die Zufriedenheit.

Ihr Joachim Lang

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